Warum das Fediverse nicht Mastodon, sondern viel mehr ist

von admin (Kommentare: 0)

Was ist eigentlich das Fediverse?

Fediverse ist ein Kofferwort aus Federation und Universe, das Wort bedeutet in etwas (virtuelles) föderiertes Universum.
Es ist ein Verbund verschiedenster Server (Computer) mit soziale Netzwerk-Software. Und im Gegensatz zu den großen, von Konzernen betriebenen sozialen Online-Netzwerken, gibt es nicht nur 1 zentralen Betreiber, sondern es gibt sehr viel verschiedene Betreiber.
Grundsätzlich kann jeder, der die Fähigkeiten und den Willen hat, eine eigene Instanz, wegen einen solchen Server mit einer Fediverse-Software starten.

Und wer keinen eigenen Server betreiben kann oder will, der hat die Möglichkeit, eine Benutzer-Konto bei Instanzen zu eröffnen, die eben auch andere Nutzer ihrer Dienst nutzen lassen.
Jede Instanz hat ihre eigenen Regeln, die auch willkürlich von dem oder den Betreibern geändert werden können. Gerade wenn man unverfängliche Dinge postet hat man in der Regel aber keine Probleme.

Die derzeit mit Abstand bekannteste Fediverse-Software ist das als Twitter-Alternative gehandelte Mastodon. Es gibt aber viele weiter Anwendungen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, von denen ich viele besser als Mastodon finde:

  • Twitter-ähnlich:
    Misskey, Pleroma, Hubzilla, Soapbox/Rebased

  • Facebook-ähnlich:
    Friendica

  • Instagram-ähnlich:
    Pixelfed

  • Youtube-ähnlich:
    Peertube

Es gibt noch zahlreiche weitere Programme, aber auf diese einzugehen würde hier den Rahmen sprengen.

Das schöne am Fediverse ist, dass grundsätzlich alle hier genannten und etliche weitere Dienste untereinander Daten austauschen können.

Und, dass mit diesen eben soziale Netzwerke abseits von IT-Konzernen in Eigenregie möglich sein.

Warum die Fragmentierung des Fediverse unvermeidlich und teilweise schon Realität ist

Das Konzept vom Fediverse ist es ja, dass unterschiedliche Instanzen, also Server mit Fediverse-Software, von unterschiedlichen Betreibern miteinander verbunden sind und Austausch von Daten und Interaktion von Nutzern ermöglichen.
Dafür gibt es aber heute schon heute klare Grenze, was eben an den unterschiedlichen Instanzenbetreibern und ihrer jeweiligen Philosophie liegt.

Das größte und prominenteste Beispiel dafür ist GAB, das ja als politisches rechtes soziales Netzwerk gilt und vor einigen Jahren auf einen Mastodon-Fork als Software umgestellt hat. Mit GAB föderieren fast keine anderen Instanzen mehr.
Aber auch abseits davon blockieren manchen Instanzenbetreiber andere, aus unterschiedlichen Gründen, aber meist, weil sie mit der Ideologie oder den Nutzerrichtlinien ihrer Kollegen nicht einverstanden sind.

Und ich muss sagen, das macht grundsätzlich natürlich auch Sinn:
Wenn bestimmte Personen oder Organisationen nicht nur einzig und allein ihre Weltsicht oder ihre Inhalte gelten lassen, und zudem andere intolerant bzw. aggressiv dahin gehend bedrängen, dass nur das, was sie vertreten legitim ist und alle, die das anders sehen, mobben, dann hat man als Instanzenbetreiber natürlich zumindest einmal Druck, hier die Verbindungen zu solchen Instanzen zu kappen.

Schlecht und schade ich ich aber, dass speziell viele wichtige Mastodon-Instanzen sehr schnell am Finger am Abzug beim Instanzen-Blockieren sind, wenn andere zu weit von ihren eigenen Positionen abweichen. Und zwar gerade auch dann, wenn eben keine Fake-News oder Hate-Speech im Spiel sind.

Ich würde es bevorzugen, Instanzen wirklich nur im äußersten Fall komplett zu sperren. Als Alternative, die allerdings noch technisch implementiert gehört, würde ich einen Whitelisting-Ansatz bevorzugen.

Nutzer von Instanzen, die die eigenen Werte teilen, dürfen grundsätzlich uneingeschränkt interagieren, solange sie sich nichts zu Schulde kommen lassen.
Nutzer von Instanzen, wo es Diskrepanzen gibt oder wo das Verhältnis zueinander noch unklar ist, dürfen grundsätzlich noch nicht interagieren, es sei denn, sie werden whitegelistet, also quasi frei geschaltet. Das sollte dann aber auch passieren, wenn nicht wirklich schwer wiegende Gründe dem entgehen stehen.

So etwas ist aber noch Zukunftsmusik. Derzeit muss man klar festhalten, dass die Entwicklung hin zu verschiedenen, getrennten Blasen im Fediverse geht.

Warum Fediverse  & Co trotzdem sehr interessant und für mich die Zukunft der sozialen Online-Netzwerke sind

Herr über seine eigenen digitalen Dienste sein, Schluss mit Konzernherrschaft und generell Schluss mit Willkür anderer.
Aber: Diese Willkür kann auch von Einzelpersonen ausgehen, die Fediverse-Instanzen betreiben.

Da Zwangsehen ohne massiven Druck von außen nicht funktionieren, so ist es auch klar, dass nur diejenigen Instanzen kooperieren werden, die auch kooperieren wollen. Und dafür ist aus meiner Sicht gar nicht einmal so sehr eine gemeinsame Ideologie, aber es sind gemeinsame Werte entscheidend, Werte gerade wie man mit unterschiedlichen Sichtweisen umgeht.

Und wer in unterschiedlichen „Blasen“ aktiv sein möchte, der wird dann eben mehrere Fediverse-Konten haben müssen, was vielleicht etwas mühsam aber nichtsdestotrotz gut machbar ist.

Das Fediverse bzw. allgemein gesprochen dezentrale, selbst betriebene soziale Netzwerke, sind daher aus meiner Sicht auf jeden Fall die Zukunft der sozialen Online-Interaktion, teilweise sogar schon die Gegenwart.

Daher starte ich auch bald meine 1. eigene Instanz. Die betreibe ich aber sicher nicht mit Mastodon, sondern mit dem Pleroma-Fork Soapbox/Rebased. Für zukünftige Instanzen liebäugle ich auch mit Misskey als Software.
Warum ich Mastodon kritisch gegenüber stehe, das werde ich in einem der nächsten Blog-Beiträge noch ausführlich erläutern.

Also, dann hoffe ich, dass ich mit allen konstruktiven Menschen, die diesen Artikel lesen und darüber hinaus, mit zukünftige im Fediverse austauschen werden.

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