1980er Kultserie Knight Rider ist 40 Jahre alt

von admin (Kommentare: 0)

1980er Kultserie Knight Rider ist 40 Jahre alt

Knight Rider – wer über 30 kennt die Serie eigentlich nicht?

Am 26. September 1982 ist der kultige, schwarze Pontiac Trans-Am das 1. Mal über US-amerikanische Bildschirme gefahren.

Der moderne Ritter Michael Knight, dargestellt von David Hasselhoff, der mit seinem sprechenden Wunderauto KITT im Dienste der „Foundation für Recht und Verfassung“ die Welt rettet.

Eine aufwändige Action-Serie mit Science-Fiction Elementen, dennoch vom Setting her recht altmodisch angelegt und trashig.

Und etwas, das nur in den 1980er Jahren funktioniert hat – da aber hervorragend:
Die Serie hat perfekt den damaligen Zeitgeist getroffen.

Sie hat lange einen großen Reiz gehabt hat. Und es war eine Serie, wo alle Fortsetzungsversuche kläglich gescheitert sind und die ich heute ziemlich erschreckend, ja durchaus abstoßend finde.

Das alles ist für mich Knight Rider.

Aber nehmen wir uns die Blöcke nach der Reihe genauer vor.

Der Anfang der Serie und ihre Faszination

Die Serie ist im September 1982 in den USA gestartet, in Deutschland dann im August 1985 und bei uns in Österreich im Jänner 1986.

Ich war damals in der 2. Klasse Volksschule und in dieser Zeit hat gerade mein Interesse für Fernsehen, Computer und Science-Fiction sich angefangen zu entwickeln. Mein Interesse für Autos war schon als Kleinkind da.

Knight Rider war damals ein absoluter Volltreffer und hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Ich habe jede Folge immer bis zur letzten Sekunde des Abspanns fasziniert und begeistert angeschaut.
Ob das Sprachinterface, die Rechenleistung, die Geschwindigkeit, das Selbstfahren des Autos, der physische Schutz und die zahlreichen Spezialfunktionen, allen voran der Turbo-Boost und der Pursuit-Mode: Alles genial und großartig für mich damals.

Und da war ich keinesfalls der einzige:
In meiner Schule war die Serie eines der wichtigsten Gesprächsthemen von fast allen meinen Schulkollegen.

Einmal haben wir vor dem Schulgebäude auf den Bus gewartet und Turbo-Boost nachgespielt:
Mehrere Schultaschen hintereinander aufgestellt und dann sind wir darüber gesprungen.
Uns Kindern sind – jedenfalls damals – immer solche oder ähnliche Dinge eingefallen.

In einer Episode hat KITT sein Gedächtnis verloren, Ein Bub hat ihn gefunden und vor den Bösewichten versteckt. Dabei hat es eine Verfolgungsjagd gegeben und der Bub ist mit KITT davon gefahren.

Natürlich wäre ich gerne dieser Bub gewesen – und sicher Millionen andere Buben und wohl auch Mädchen damals ebenso.

Besonders spannend und gut aus meiner Sicht waren die Episoden, wo KITT zerstört worden ist sowie die Doppelgänger-Episoden mit KARR bzw. Garth Knight und Goliath.

Über das Ende der Serie nach 4 Staffeln war ich dann auch sehr traurig und enttäuscht.

Knight Rider in den 1990er und 2000er Jahren

Nachdem ich bis ca. 1990/1991 durchgängig die regelmäßigen Wiederholungen der Serie angeschaut habe, hat es dann einige Jahre Pause gegeben.

Um 1996er herum ist sie dann wieder einmal auf ORF gelaufen und ich habe sporadisch geschaut – da war aber irgendwie die Faszination weg, ich habe schon alles gekannt und es hat dann irgendwie nicht mehr wirklich überzeugend auf mich gewirkt:
Da ist mir dann die trashige Machart und diverse Fehler und Ungereimtheiten der Serie aufgefallen – die sie ebenso auszeichnen, wie die futuristischen Effekte und der hohe Materialaufwand der Serie.

Ein paar Highlights:

  • KITT macht einen Sprung, steuert in einem ~80° Winkel auf den Boden zu und fährt nach einem Schnitt später wieder ganz normal weiter
  • In der 1. Goliath Episode kann KITT ein Bleitor vor einem Berg mit Rönten-Strahlung nicht durchdringen – mit Infrarot-Strahlung aber schon.
  • Michael Knight bzw. Michael Longs Verlobte Stevie Mason kommt in ein Zeugenschutzprogramm, damit die Mafia ihr nichts antun kann.
    1 Jahr später ist sie dann Sängerin in einer Rock-Band – deren Auftritte landesweit im Fernsehen ausgestrahlt werden.

Dann habe ich die Serie viele Jahre nicht mehr geschaut, sie hat mich in dieser Zeit einmal nicht mehr interessiert.

Erst Ende der 2000er Jahre, 2007/2008 hat der deutsche Fernsehsender “Das Vierte” zahlreiche Retro-Serien ausgestrahlt, allen voran Knight-Rider.
Nach Jahren der Abstinenz und auch schon gehörigem zeitlichem Abstand zu meiner Kindheit war es wieder interessant und schön, Knight-Rider zu schauen. Da sind dann eben so richtig Kindheitserinnerungen wach geworden.

Abseits von meinen persönlichen Eindrücken waren die 1990er und 2000er Jahre in Bezug auf Knight-Rider vor allem eines:
Die Zeit der gescheiterten Wiederbelebungsversuchen.

Egal ob “Knight Rider 2000” 1991, “Team Knight-Rider” (TKR) 1997 oder der Fortsetzungsversuch der Ur-Serie 2008: Alles nicht einfach nur gescheitert, alles richtige Rohrkrepierer.

Das hat gezeigt, dass die Zeit der Idee eines sprechenden Wunderautos und eines modernen Ritters vorbei und ein Erfolg der Serie so nicht mehr wiederholbar ist.

Die Jetzt-Zeit der 2020er und Knight Rider

Heute finde ich Knight-Rider alles in allem überwiegend negativ.

Natürlich gilt es den Zeitgeist zu beachten – und das tue ich auch.
In den 1980er Jahren haben auch die Serien-Macher vieles wohl sogar mit guten Absichten aber auch sehr naiv und kurzsichtig gesehen.

Und das auch gar nicht rein auf Michael Knight und sein Auto bezogen:
In mehreren 80er-Jahre-Serien hat es ein idealistisches, realitätsfremdes, ja potentiell gefährliches Moralisieren in Bezug auf den Einsatz von Schusswaffen gegeben:

Nur ja so etwas nicht verwenden, weil das gefährlich und böse ist, alles immer ohne Schusswaffen lösen – und in den Serien ist das ja auch immer gegangen. Die Realität war aber auch damals schon leider eine andere, die Gewaltkriminalität ist in den USA der 1980er-Jahre explodiert.

Und ein KITT mit einer positiven, höchst menschlichen Persönlichkeit ist völlig realitätsfremd.
Die Lage heute sieht so aus, dass viele der Computer-basierten Funktionen von KITT bereits Realität geworden sind:
Spracheingabe, autonomes Fahren, Berechnen und Beauskunften aller möglichen Dinge, umfangreiche Multimedia- und Kommunikationsfunktionen – kalt und emotionslos von den Computern ausgeführt.

Und die Nachteile und Gefahren, die damals zwar ansatzweise auch Thema waren, wie die Übernahme der Steuerung von KITT durch Hacker, hat schon jetzt viel größere Dimensionen erreicht:
Hacking ist ein Problem, vor allem aber die Massenüberwachung durch Tracking unserer Fahrt-Routen und zunehmend auch Mithören unserer Gespräche.

Die Snowden-Enthüllungen 2013 haben ja vieles bei mir ausgelöst, u.a. auch die Änderung in der Wahrnehmung von Knight-Rider in Bezug auf die massive Digitalisierung von Autos.

Weiters bietet Knight-Rider teilweise unfassbares Verdummungs-Wissen, wie u.a. das oben erwähnte Beispiel mit dem Infrarot statt Rönten, um durch ein Bleitor sehen zu können.

Zudem finde ich die Vorstellung, dass Menschen alle ihre großen Probleme an einen modernen Ritter, mit einem modernen Stahlross übergeben können und er diese dann für sie löst, in der heutigen Zeit für bedenklich bist gefährlich:
Coronakrise und Energie- und Teuerungskrise durch Russland-Sanktionen zeigen, dass gerade die Staaten im Westen durch undurchdachte oder sogar bewusst gesetzte, überzogene Maßnahmen bedenkliche Probleme für die meisten Menschen erst schaffen.
Da ist Eigeninititative sowohl für sein eigenes Leben als auch im Feld der Politik und der Gemeinschaften für mich schon mehr als ein Gebot der Stunden, sogar absolut notwendig.

Dennoch:
Einen gewissen Charme hat Knight-Rider auch jetzt, in den 2020er Jahren noch, sie weckt Kindheitserinnerungen und bietet aus heutiger Sicht trashige Retro-Unterhaltung.
So gehört die Serie auch zu wenigen 1980er Produktionen, die nach wie regelmäßig im Fernsehen ausgestrahlt werden.

Mein Schlussresümee ist daher eindeutig:
Schön war’s mit Knight Rider – früher einmal.
Schauen wir sie ruhig einmal als Zeitvertreib oder um Kindheitserinnerungen wieder wach zu rufen. Aber lassen wir die Serie und das, was sie macht und wofür sie steht, dort, wo sie hingehört:
In den 1980er Jahren.

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