Deep-Space-Nine: 30 Jahre Star-Trek auf einer Raumstation

von admin (Kommentare: 0)

Deep-Space-Nine: 30 Jahre Star-Trek auf einer Raumstation

Heute ist es auf den Tag fast unglaubliche 30 Jahre her, dass mit Deep-Space-Nine (DS9) am 03.01.1993 die 3. Star-Trek-Realserie debütiert hat.
Und bis heute ist sie für mich 1 der 3 besten Science-Fiction-Serien aller Zeiten.

Schon 2013 und 2018 habe ich zum 20. bzw. 25. Jubiläum in meinem alten Blog jeweils einen Jubiläums-Artikel geschrieben und möchte das dieses Mal wieder tun.

Dementsprechend habe ich einiges Hirnschmalz investieren müssen, um interessante Aspekte zu thematisieren, die weder ich früher noch andere schon ausgiebig erörtert haben.

Was DS9 für mich besonders ausmacht

  • Raumstation statt Raumschiff
  • Schwarzer Kommandeur
  • Zu ihrer Zeit die dunkelste Star-Trek-Serie, optisch wie inhaltlich
  • Ab Staffel 3 fortlaufende, Episoden-übergreifend eng verwobene Handlungsbögen
  • Eine Spitzenposition was wiederkehrende Nebencharaktere betrifft, nicht nur innerhalb von Star-Trek oder Science-Fiction allgemeine, sondern was alle Typen von Fernseherien betrifft.

Während alle Star-Trek Serien und Filme bis dato immer auf einem Raumschiff namens Enterprise gespielt haben, das den Weltraum erforscht, so hat sich das mit Deep-Space-Nine geändert.
Die Analogie von den Serienmachern selbst war die, dass der Trail, der in Western-Produktionen neues Land entdeckt hat, zum Stillstand gekommen und sesshaft geworden ist.
Es gibt hier auch Parallelen zur alten Western-Serie „Westlich von Santa Fe“, wo der Hauptdarsteller ebenfalls sesshaft geworden und allein erziehender Vater war.

Der Hauptdarsteller und Kommandeuer von DS9, Benjamin Sisko, ist allerdings zum 1. Mal in der Geschichte von Star-Trek ein Schwarzer. Und schauspielerisch finde ich Avery Brooks dafür eine sehr gute Wahl.
Zudem sind der 1. und der 2. Offizier der Station, dargestellt von Nana Visitor bzw. Terry Farell, Frauen.

Die Raumstation ist einerseits optisch dunkel, was durch ihre außerirdische, cardassianische Herkunft erklärt wird. Der wahre Hintergrund ist wohl der, um die Produktion von den zeitgleich produzierten Schwersternserien TNG und Voyager (VOY) deutlich unterscheidbar zu machen, welche beide optisch wirklich viel heller sind.
Andererseits war die Serie aber auch inhaltlich zu ihrer Zeit und bis 2017 die düsterste aller Star-Trek-Produktionen. Es gibt dort pessimistische Elemente, wie die Geheimloge „Sektion 31“, die die Föderation unterwandert hat und dunkle Machenschaften betreibt.
Und zum 1. Mal in der Geschichte dieses Serien-Universums wird auch Krieg gezeigt.

DS9 hat aber auch sehr viel positives und interessantes zu bieten – sonst würde ich sie natürlich nicht als eine der 3 besten Sci-Fi-Serien aller Zeiten sehen:

  • Intelligente Geschichten, mit viel und teilweise auch zweifelhafter Moral, aber immer wieder einem Aufzeigen von menschlich verständlichen Handlungen und sehr oft ein schonungsloses Aufzeigen der Konsequenzen von Handlungen
  • Starke Geschichten und Handlungsstränge, zum 1. Mal bei Star-Trek eben auch Episoden- und Staffel-übergreifend eng zusammenhängend
  • Starke Schauspieler, nicht nur Hauptdarsteller, sondern vor allem auch Nebendarsteller;
    die hohe Anzahl, die hohe Qualität und das durchgehende Wiederkehren so vieler Nebencharaktere ist etwas, das ich so von keiner anderen Fernsehserie kenne.
  • Punkto Kulissen, Masken und Special-Effects sehr aufwändig und hochwertig.

Highlight-Episoden gibt es für mich zahlreiche. Am meisten sind mir aber die in Erinnerung, die erschreckende Parallelen zu Entwicklungen in der Jetzt-Zeit haben oder hatten, sowie diejenigen Episoden, die der Menschheit einen Spiegel vorhalten – was auch öfters Hand in Hand geht.

Die warscheinlich dunkelste, aber vielleicht sogar Serien-übergreifend beste Star-Trek-Episode, ist für mich „In fahlem Mondlicht“, in der die im Krieg gegen Cardassianer und Dominion am Rande einer Niederlage stehende Allianz aus Föderation und Klingonen mit einer blutigen Intrige die Romulaner zum Kriegseintritt auf ihrer Seite bewegt.
Auch Anti-Kriegs-Episoden wie „Die Schlacht um Aijilon Prime“ oder „Die Belagerung von AR-558“ sind absolute Highlights.

Sehr berührend ist auch „Der Klang ihrer Stimme“, wo ein abgestürzter Sternenflotten-Captain auf seine Rettung wartet – und dabei nur über eine Audio-Verbindung die gesamte Crew zum Nachdenken bringt.
Bei den lustigen Episoden ist mein Favorit „Kleine Grüne Männchen“, wo die Ferengi in den USA der späten 1940er-Jahre landen – und der Menschheit einen Spiegel vorhalten.

Und dann natürlich die Garak-Episoden
Garak ist mein absoluter Lieblings-Charakter in dieser Serie, einerseits bösartig, andererseits sehr vielschichtig und doch sympathisch.

Trotzdem hat die Schwesternserie TNG beim Captain, der mit Picard eine echte moralische Autorität ist, bei der Intellektualität und bei der moralischen Integrität, durch den Nimbus „Enterprise“ sowie bei der eine Spur besseren Abschlussepisode die Nase vorn.
Darum sehe ich diese beiden Star-Trek-Serien auch qualitativ gleichauf.

Was sich seit 2018 getan hat

  • 3 wichtige Serien-Charaktere sind seit damals gestorben
  • Die Doku „What we left behind“ ist erschienen
  • Die Serie hat durch Streaming-Dienste einen neuen Popularitätsschub erhalten.

2019 und 2022 haben sich leider 3 wichtige Deep-Space-Nine Darsteller aus dem Leben verabschiedet:

  1. Rene Auberjonois, der Darsteller vom Sicherheitschef Odo
  2. Louise Fletcher, die Darstellerin vom intriganten bajoranischen Religionsoberhaupt Kai Winn
  3. Aron Eisenberg, der Darsteller vom späterem Sternenflottenoffizier dem Ferengi Nog.

Während Rene Auberjonois mit knapp 80 und Louise Fletcher mit knapp 90 Jahren verstorben sind, so hat es Aron Eisenberg, den kleinwüchsigen Schauspieler, schon mit 50 aus dem Leben gerissen.
An dieser Stelle möchte ich auch unbedingt an die Episode „Leben in der Holosuite“ erinnern, eine der besten Episoden dieser Serie, die sich mit den Traumata von Kriegsveteranen beschäftigt und die für mich und für viele andere der Höhepunkt des schauspielerischen Schaffens von Eisenberg ist.

Eine Doku mit interessanten und auch neuen Informationen zur Serien und ihren Hintergründen ist entstanden. „What we left behind“ bringt Interviews mit fast allen wichtigen Serien-Darstellern und mehreren Schlüsselmitarbeitern der Produktion, bietet alte und neue Hintergrundintformationen und thematisiert sogar eine fiktive 8. Staffel von DS9.

Und durch die Streaming-Dienste hat die Serie in jüngster Vergangenheit einen Popularitätsschub bei einer neuen Publikums-Generation bekommen.
Das hängt natürlich auch stark mit ihren seit Staffel 3 fortlaufenden Handlungsbögen zusammen, weswegen sie damals ihrer Zeit voraus war und heute dadurch eben besonders gut für Binge-Watching geeignet ist.

DS9, TNG und B5

Anfangs war DS9 von mir ungeliebt. Ich wollte lieber weitere Folgen der Next-Generation sehen und war unglücklich, wie diese eingestellt worden war.
DS9 war am Anfang nur ein Trostpflaster für mich.
Später aber habe ich sie immer mehr geschätzt und ab Staffel 3 als hochwertige Fortsetzung und legitimen Nachfolger von Picard & Co gesehen.

Zu ihrer Zeit war sie, durch ihre Dunkelheit und ihre Positionierung auf einer Raumstation, einerseits verhältnismäßig unpopulär und ist andererseits immer gemeinsam mit anderen Trek-Serien produziert und ausgestrahlt worden, wodurch sie nie die ungeteilte Aufmerksamkeit von Produzenten wie Zuschauern erhalten ist.
Und speziell nach Erscheinen von Voyager ist der Hauptfokus des Produktionsstudios auf dieser Serie gelegen – wodurch Deep-Space-Nine noch mehr Freiheiten bekommen hat.

Das Konzept einer Serie auf einer Raumstation ist schon 1991 von späteren Schöpfer von Babylon-5, J. Michael Straczinsky, dem Studio Paramount angeboten, zunächst aber abgelehnt worden. Später haben sie es dann noch umgesetzt.
Und die Konkurrenz-Serie Babylon-5 (B5) ist fast zur selben Zeit dann bei Warner-Bros enstanden.

Ich schätze beide Raumstationen-Science-Fiction-Serien sehr, da sie sowohl Gemeinsamkeiten, als auch Unterschiede haben und beide auf ihre Art einzigartige, hochwertige Science-Fiction bieten.
Doch zu Babylon-5 in wenigen Wochen mehr, wenn auch sie ihr 30. Jubiläum feiert.

Jedenfalls sind TNG und DS9 bis heute für mich und für viele andere der Höhepunkt von Star-Trek und gemeinsam mit B5 die besten Science-Fiction-Serien aller Zeiten.


Fazit

Deep-Space-Nine ist für mich, wie gesagt auch heute noch tolle Science-Fiction, tolle Unterhaltung und tolle Gehirnnahrung.

Während die 2 ersten Punkte wohl viele Menschen so sehen, schon ist das meiner Wahrnehmung aber bei Punkt 3 anders.
Obwohl es so eine großartige Doppelfolge wie „Die Front“ & „Das verlorene Paradies“ gibt, wo Sternenflottenoffiziere im Rahmen eines Putsches die Macht auf der Erde im Namen der Sicherheit, wegen des Kampfes gegen einen äußeren Feind, das Dominion, an sich reissen wollen, so lassen sich die meisten Seher leider nur berieseln, es macht aber in ihrer Oberstube nicht wirklich Klick.
Doch nimmt diese starke Episode nicht nur die Nachwirkungen von 9/11, mit ausufernden Einschränkung der Bürgerrechte und eines Ausbaues des Überwachungsstaates im Namen der Sicherheit und für den Krieg gegen den Terror vorweg.
Ihr Inhalte lassen sich genauso auf die Coronakrise münzen, wo Bürgerrechte ab- und Überwachung ausgebaut worden sind, aber dann eben im Namen der Gesundheit.

So hoffe ich, dass viel mehr Menschen „Star Trek: Deep Space Nine“ nicht nur als tolle Science-Fiction und Unterhaltungsserie sehen, sondern auch Verbindungen von Serieninhalten und Zuständen in der echten Welt sehen und darüber nachdenken.

Ansonsten ist auch Mitte der 2020er-Jahre DS9 nach wie vor exzellent, sehenswert und absolut weiterzuempfehlen!

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