30 Jahre Babylon-5: Der verkannte Science-Fiction-Pionier

von admin (Kommentare: 0)

30 Jahre Babylon-5: Der verkannte Science-Fiction-Pionier

Genau heute vor 30 Jahren, am 22.02.1993 hat eine Science-Fiction-Serie im US-amerikanischen Fernsehen debütiert, die Science-Fiction- und darüber hinaus Fernseh-Geschichte geschrieben hat – gleichzeitig aber bis heute eher nur ein Geheimtipp für Insider geblieben ist:
Babylon-5.

Dieser Jubiliäums-Artikel ist ja der 3. von 3 in einem knapp 5 monatigen Zyklus, wo die für mich besten Science-Fiction Serien aller Zeiten wichtige Jubiläen feiern.
Die eine ist eben Babylon-5 (B5), die beiden anderen sind die Star-Trek-Serien „The Next Generation“ (TNG) und „Deep Space Nine“ (DS9).
Alle 3 sind a) unglaublich gut und und b) 30 bzw. 35 Jahre nach ihren Debüts immer noch unerreicht!

Doch während Star-Trek damals wie heute sehr bekannt war bzw. ist, so ist das bei B5 leider anders.

Was Babylon-5 ausmacht

  • Von 1993 bis 1998 ausgestrahlt worden, mitten im „goldenen Zeitalter“ der Phantastik, wovon sie selbst ein wesentlicher Teil ist.
  • Ein episches Erzählkonzept, mit fortlaufenden Episoden- und Staffel-übergreifenden – und auch inhaltlich epischen – Handlungsbögen. Die gesamte Serie war prinzipiell schon 5 Jahre im voraus geplant.
    Ein absolute Revolution zur damaligen Zeit, nicht nur für Science-Fiction, sondern für Fernsehserien an sich.
  • Jedenfalls die 1. Science-Fiction-Serie, wo alle Außenkulissen vollständig durch digitale Animationen der Raumstation im Computer entstanden sind – und es nie physische Modelle gegeben hat.
  • Immer Konkurrent und „kleiner Bruder“ von Star-Trek, in dessen Schatten sie gestanden ist – aus dessen Schatten heraus sie aber neue wichtige Impulse für das Science-Fiction-Genre, ja für Fernsehserien insgesamt gesetzt hat.
  • Im Gegensatz zu Star-Trek handelt es sich um keine alles in allem positive Utopie, sondern eher um eine Art Dystopie, die auch realistisch-negative Elemente aus der echten Welt der Gegenwart in die Zukunft transferiert.

Die Geschichten sind dabei stets spannend und meist gut durchdacht, die Handlungsbögen insgesamt sehr konsistent.
Und die Charaktere sind sehr glaubwürdig und harmonisch konzipiert und werden von starken und vor allem auch passenden Schauspielern verkörpert.

Da die Handlungsbögen so stark aufbauend und untereinander vernetzt sind, so ist es von da her schwierig, eine Lieblingsepisode herauszugreifen.
Von der Qualität her dagegen ist es sehr einfach:
Die Strafaktion.

In dieser Episode lässt Präsident Clark endgültig alle Masken fallen, bombardiert den Mars, schließt den Haupt-Nachrichtensender ISN und greift die Raumstation an.
Die Strafaktion hat 1997 völlig zu Recht einen Hugo-Award erhalten, ist für mich die eindeutig beste Babylon-5-Episode und darüber hinaus eine der besten Science-Fiction-Serien-Episoden überhaupt!

Babylon-5 und Star-Trek

Wie schon angeschnitten, so gibt es enge Verbindungen im Hintergrund zwischen Babylon-5 mit Star-Trek, vor allem mit Deep-Space-Nine.

  • Beide Serien sind zur selben Zeit entstanden, beide spielen auf Raumstationen, in beiden Serien spielt in späteren Staffeln ein großer Krieg eine zentrale Rolle.
    Und es gäbe noch viel mehr Gemeinsamkeiten zu nennen – ebenso wie man auch viele Unterschiede auflisten könnte.
  • Walter Koenig, der Darsteller von Chekov auf der Original-Enterprise, hat auch in Babylon-5 eine Schlüsselrolle verkörpert, den Gedankenpolizisten Alfred Bester.
    Stark gespielt und immer auf bösartige Art sehr spannend und interessant in die Handlung involviert.
  • Etliche Schauspieler haben in beiden Serien-Universen als Gast-Schauspieler mitgewirkt.
    Am bemerkenswertest dabei ist aber wohl Majel Roddenberry, die Witwe von Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry, die eine durchaus bemerkenswerte Gastrolle auf Babylon-5 übernommen hat.
  • Auch darüber, dass Babylon-5-Erfinder J. Michael Stracynski (JMS) 2 Jahre vor dem Start dieser Serie möglicherweise auch die Grundidee für DS9 geliefert hat, ist schon viel diskutiert bzw. gestritten worden.

Ebenso wie JMS möchte es auch ich hier dabei bewenden lassen. Beide Raumstations-Sci-Fi-Serien sind großartig und jede auf ihre Art eigenständig und einzigartig.

Die 5 Jahre seit dem 25. Jubiläum

Etwas sehr makaberes zeichnet Babylon-5 aus, das ich in diesem Artikel bisher noch nicht erwähnt habe:
Es sind sehr viele wichtige Darsteller gestorben – und viele von ihnen weit vor dem statistischen Durchschnitts-Sterbealter.

Leider war das auch seit dem 25. Jubiläum der Serie 2018 der Fall, allerdings in diesem Jahrfünft einmal „nur“ 1 Person:
Mira Furlan, die großartige, aus dem heutigen Kroatien stammende Darstellerin der Minbari Delenn, ist Anfang 2021 mit 65 Jahren eindeutig zu früh von uns gegangen.
Gemeinsam mit Bill Mumy, dem Darsteller vom Minbari Lennier, und dem bereits 2016 verstorbenen Jerry Doyle, der Sicherheitschef Garibaldi gespielt hat, habe ich bei meinem letzten Jubiläum-Artikel 2018 einen eigenen Block gewidmet.
Denn diese 3 Personen aus dem Babylon-5-Schauspieler-Ensemble finde ich eben besonders bemerkenswert.

Eine potentiell positive, in jeden Fall sehr interessante Entwicklung hat es dann im Herbst 2021 gegeben:
Da ist öffentlich geworden, dass eine Neuauflage von Babylon-5 geplant ist.
Derzeit ist diese aber leider sehr unsicher, wenn auch sicherlich immer noch möglich.
Doch durch Verkäufe und Umschichtungen bei den Unternehmen, die die Serie produzieren bzw. veröffentlichen, so ist das Comeback von B5 2022 und 2023 leider wieder in Frage gestellt.

Zeiten von massivstem Wettbewerb der Content-Anbieter und Übersättigung der Konsumenten in Inhalten, so wäre es aber aus meiner Sicht völlig gaga, wenn sich so eine Chance die die Wiederbelebung eines der besten – wenn auch nicht zugkräfigsten – Science-Fiction-Universen überhaupt entgehen zu lassen.

Fazit und Schlussworte

Ja, Babylon-5 merkt man in den 2020er-Jahre das Alter von in der Zwischenzeit 30 Jahren durchaus an.
Aber ja, B5 ist auch heute noch für mich und viele andere eine der 3 besten Science-Fiction-Serien aller Zeiten. Nach ihr, der Next-Generation und nach Deep-Space-Nine ist einfach bis dato immer noch nichts besseres nachgekommen.

Beim Fazit bringe ich auch hier noch 2 politisch-gesellschaftliche Aspekte ein:

  1. Bill Mumy hat bei mehreren Conventions betont, dass Fans sich nicht nur mit dem fiktionalen Babylon-5-Universum beschäftigen sollen, sondern auch mit Mutter Erde, auf der wir leben.
    Das möchte ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen und betonen.
  2. Babylon-5 ist ein Mahnmal gegen Faschismus und Totalitarismus jeglicher Art.
    In der Gegenwart und nahen Zukunft ist das ein besonders wichtiger Punkt, kann diese Gefahr eben keinesfalls nur von Rechts, wie von Donald Trump, sonder auch von Links oder der Mitte kommen, die Joe Biden oder die EU-Kommission eindrucksvoll beweisen.
    Gegen alle diese Kräfte müssen wir wachsam sein und gegebenenfalls auftreten und uns für bessere Alternativen einsetzen!

Zudem möchte ich mit dem Wunsch abschließen, dass die Serie 2023 doch auch endlich einmal in einem Jubiläumjahr ausgestrahlt gehört.
Denn so erfreulich es ist, dass sie gerade von 2020-2022 wiederholt von Tele-5 ins Programm genommen worden ist: 2013 und 2018 waren Babylon-5-freie Fernseh-Jahre.
Endlich einmal eine TV-Ausstrahlung in einem Jubiläumsjahr wäre also höchst an der Zeit!

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